Am Dienstag, den 27. Januar, fand anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee die Gedenkveranstaltung des Markgrafen-Gymnasiums an die Verbrechen des Holocausts und die Folgen für das jüdische Leben nach dem Krieg statt.

Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9 sowie Lehrerinnen und Lehrer des Markgrafen-Gymnasiums kamen im Raum H208 mit der Referentin Frau Benizri sowie jüdischen Schülerinnen und Schülern aus Karlsruhe zusammen, um über das Leben von Juden in Deutschland, vor allem das der Jugendlichen, in der aktuellen Situation mehr zu erfahren. Die Referentin Frau Benizri ist die Erziehungsbeauftragte der IRG (Israelitische Religionsgemeinschaft) Baden und Religionslehrerin für jüdische Religion, sodass sie sehr eng mit jüdischen Jugendlichen zusammenarbeitet und über ihre Lebenssituation sehr ausführlich referieren konnte.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Inhoff stellte Frau Benizri zunächst einmal dar, wie unfassbar es für sie sei, dass der Antisemitismus in Deutschland trotz der Erfahrungen des Holocausts vor allem nach dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel vom 7.10.2023 wieder eine ernsthafte Bedrohung für Juden in Deutschland darstellt, sodass Synagogen durch die Polizei dauerhaft beschützt werden müssen und Jüdinnen und Juden ihre jüdische Identität aus Angst vor tätlichen Angriffen verbergen. Vor dem 7. Oktober 2023 habe der Umgang mit Antisemitismus eine geringe Rolle in der Jugendarbeit der IRG Baden dargestellt, betonte sie zuvor. Daher sieht sie es vor allem angesichts des wachsenden Antisemitismus als essenziell an, die jüdische Identität der Jugendlichen zu stärken.

Eines dieser Projekte ist der Jewrovision, in dem jüdische Jugendliche von 13 bis 19 Jahren aus Deutschland für ihren Landesverband in Gesang, Tanz und Musik gegeneinander antreten. Für den finalen Auftritt üben die Jugendlichen ein ganzes Jahr lang die Show ein und bringen in ihren Texten ihre Lebenssituation als jüdische Jugendliche in Deutschland authentisch hervor. So stellten die badische Jugendlichen 2024 in ihren Texten ihre Wut gegenüber dem anwachsenden Antisemitismus sowie gegenüber bekannten Personen, die sich antisemitisch äußerten, dar, während letztes Jahr sich die Jugendlichen „rosa Brillen“ aufsetzten und an eine bessere Zukunft ohne die Gefahr von antisemitischen Übergriffen dachten. In den letzten Jahren gewann die badische Delegation mehrfach den Jewrovision, worauf die anwesenden jüdischen Jugendlichen, die teilweise selbst mitgewirkt hatten, merklich stolz waren. Der Jewrovision 2026 findet in Stuttgart statt.

Auf den Vortrag folgte eine Fragerunde, in der besonders die Frage des interreligiösen Austausches zwischen Muslimen und Juden angesichts des Gaza-Krieges diskutiert wurde.

Insgesamt war es ein sehr informativer Abend, an dem wir neue Sichtweisen auf das Leben jüdischer Jugendlicher kennengelernt und wir uns noch einmal bewusst wurden, dass der Antisemitismus in Deutschland nie wieder eine Rolle spielen darf.

Tobias Müller, K1